Almwirtschaftstagung 23.11.2017

Die Almen, die Pflanzen und das liebe Vieh

Almwirtschaftstagung an der Fachschule in Dietenheim
(23.11.2017)

 

Zitat:
Juliane Gasser Pellegrini, Direktorin der Schule
„Die Almwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Viehwirtschaftsbetriebe im Berggebiet. Deshalb ist es uns wichtig, dass die Experten des Amtes für Bergwirtschaft den Tagungsteilnehmer/innen unterstützende Beratung geben, nicht zuletzt in Form unserer Tagung in Dietenheim.“
 

 

Almbetreiber, Almpersonal, Bäuerinnen und Bauern, Vorstände von Körperschaften und Schülerinnen und Schüler haben sich bei der Tagung zur Almwirtschaft in Dietenheim über die Entwicklungen und Neuerungen in diesem Bereich informiert. Referenten waren Emilio Dallagiacoma und Andreas Kasal, beide vom Amt für Berglandwirtschaft in Bozen.

In ihrer Begrüßung unterstrich die Direktorin der Schule, Juliane Gasser Pellegrini, die Tatsache, dass die Almen für die Kulturlandschaft, den Landschaftsschutz und die Tiergesundheit eine große Bereicherung darstellen. Die beiden Referenten gingen in ihren Referaten auf die folgenden Themen ein.

 

Die Bewirtschaftung der Almen ist verbesserungsfähig

 

Die Bewirtschaftung der Almen ist verbesserungsfähig, und zwar darin, dass negative Tendenzen, die in Südtirol zu beobachten sind, aufgehalten werden: Derzeit passiert wenig Weideputz, es gibt kaum Koppeln, d. h. Abzäunungen, das Vieh wird zu spät auf die Alm getrieben, grundsätzlich werden zu wenige Tiere aufgetrieben; außerdem sind die Almvorbereitungen eher dürftig. „Die gute Almvorbereitung ist der halbe Almerfolg“, so Andreas Kasal.

Derzeit sind laut Aussagen des Referenten gute Almflächen teilweise übernutzt, andere Flächen hingegen werden unternutzt: Die Folgen sind Verstrauchung, Versauerung des Bodens, die Änderung des Pflanzenbestandes und ein Qualitätsverlust des Ertrages. Um Almflächen optimal zu nutzen, muss man das Fressverhalten der verschiedenen Tierarten beachten: Rinder lieben kurzes, junges Gras, Schafe kommen gut mit Gräsern mit einer Wuchshöhe bis zu 15 Zentimetern zurecht, Ziegen haben ein sehr selektives Fressverhalten und knabbern gerne auch Sträucher und Bäume an. So kann eine gemischte Alpung eine gute Maßnahme sein, um gute Almböden in ihrem natürlichen Zustand zu erhalten. Denn die vielerorts angewendete Almmeliorierung mit maschineller Unterstützung ist kostspielig.

 

Förderungen der Almbewirtschaftung durch das Land

In Sachen Förderung der Almbewirtschaftung muss unterschieden werden zwischen den Investitionsförderungen für Infrastrukturen (Wege, Almgebäude, Wasserversorgung, Strom) und der direkten Förderung der Alpung. Digital geführte Alm- und Stallregister sind in Zukunft die Voraussetzung für Anträge. Die Tendenz geht dahin, dass direkte Förderungen wichtiger werden. Ein Kriterium ist die Bestoßung der Almen und ihre Beweidung. Die Diskussion zeigte, dass die Teilnehmer der Tagung die Einschränkungen der Natura 2000 - Gebiete eher kritisch sehen.

 

Südtirol wird nicht wolfsfrei bleiben!

 

Die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie 1992/43 regelt auf EU-Ebene das Thema Großraubwild.  Hierzu halten die Referenten fest, dass in Zukunft das Land Südtirol nicht wolfsfrei bleiben wird, so Emilio Dallagiacoma. Wölfe sind Fleischfresser, vermehren sich relativ schnell und entwickeln ein dynamisches Herdenverhalten. Daher stellen sie eine größere Gefahr dar als Bären mit einer viel langsameren Vermehrung und ihrer Zugehörigkeit zu den Allesfressern. Weder die Forstbehörde noch andere Institutionen haben die Möglichkeit, im Zusammenhang mit dem Großraubwild regulierend einzugreifen. Deshalb muss ein Herdenschutzmanagement aufgebaut werden, so wie es andernorts, beispielsweise in der Toskana bereits besteht. Denn Schäden an gerissenen Tieren werden nur dann vergütet, wenn nachweislich Herdenschutz betrieben worden ist. In der Praxis heißt das für die Bauern, dass die Tierherden behirtet werden müssen, mit Einzäunungen oder auch mit Hunden. Wie nicht anders zu erwarten, äußerten einige Teilnehmer in ihren Diskussionsbeiträgen große Bedenken im Hinblick auf die Ausbreitung der Wolfsrudel.

Fachschule für Landwirtschaft Dietenheim.

 

    Fotos:
    Almwirtschaftstagung 23.11.2017
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