Von der Notwendigkeit, Trink- und Nutzwasser zu tragen

Von der Notwendigkeit, Trink- und Nutzwasser zu tragen

Beitrag von Dr. Andreas Rauchegger

Global gesehen ist die Sicherstellung der Trink- und Nutzwasserversorgung ohne Frauen, Kinder und Männer, welche die Wasser-Last selbst nach Hause schleppen müssen, nicht vorstellbar. Statistiken der WHO (Welthandelsorganisation) belegen, dass nur rund ein Fünftel der Weltbevölkerung über einen Wasseranschluss im Haus verfügt. Der Hauptgrund ist nicht zuletzt ein vielerorts eklatanter Wassermangel. Sogar in alpinen Regionen gab es in den letzten Jahren wiederholt Fälle, in welchen Tanklastwägen die lebensnotwendige Ressource liefern mussten, um temporäre Versorgungsengpässe zu überbrücken, oder aber die Bevölkerung wurde zum Wassersparen angehalten. Das gut funktionierende Wasserversorgungs- und vor allem auch Entsorgungssystem in unserer Gegend ist Indiz für den technischen und kulturellen Fortschritt der letzten Jahrzehnte, durch welchen sich beispielsweise der gesamte Wellness-Trend überhaupt erst entwickeln konnte. Doch funktioniert dies alles nicht ohne Wartungsmaßnahmen und Filtersysteme, welche eine hohe (Trink-)Wassergüte garantieren. Außerdem muss das Wasser in einer Leitung stets fließen, um nicht an Qualität einzubüßen.

Noch in den 1960er Jahren musste selbst bei uns mancherorts das Koch- und Trinkwasser vom Dorf- oder Gemeinschaftsbrunnen über längere oder kürzere Distanzen in den Haushalt befördert werden. Dazu dienten mitunter sehr schwere Behältnisse aus Holz, etwa das Schaff, die Brente oder der Stübich. Besonders anstrengend war diese Bürde im Winter, wenn Leitungen zugefroren waren und zudem das Vieh mit Trinkwasser zu versorgen war. Doch selbst jene Konsumenten der Jetztzeit, welche aus Supermärkten wassergefüllte Glas- und Plastikflaschen oder voluminöse Gallonen beziehen, sind gewissermaßen Wasserträgerinnen und Wasserträger. Die Bezeichnung und der Buchtitel „der Homo aquamportans“ (der wassertragende Mensch) soll auf die historische, kulturelle und insbesondere auch anhaltende wirtschaftliche Bedeutung dieses Aufgabenbereiches und dieser Tätigkeit hinweisen. Die Fähigkeit Wasser zu tragen und Wasser (in kleineren Mengen) zu bevorraten war eine grundlegende Voraussetzung für die Sesshaftwerdung. Die Pfade zu Quelle oder Wasserstelle sind die ältesten Kulturwege. 

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Von der Notwendigkeit, Trink- und Nutzwasser zu tragen
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